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Sonderausstellung
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"Dass Gott das große Sterben wende"

 

„Nu recket uff dy uwer hende,

daz Got daz grosze sterben wende“

nu recket uff dy uwer arme,

daz sich Got ober uns irbarme“

 

Diese Klage vor Gott, von den Geißlern gesungen, bringt mit aller Eindringlichkeit die Leiderfahrung im katastrophenreichen 14. Jahrhundert zum Ausdruck. Vom großen Hunger 1316/1317 über die Magdalenenflut 1342, die zahlreichen Pestzüge ab 1348/49 und dem Erdbeben 1356 war das Jahrhundert von den Schrecken eines Klimawandels geprägt, der mit den klassischen Erklärungsmustern des Tun-Ergehenszusammenhangs nicht befriedigend erklärt werden konnte. Außerdem gesellten sich in den engen Städten noch Feuersbrünste, Judenpogrome, Fehden und im Westen des Reiches der grausame Hundertjährige Krieg zwischen Frankreich und England zu den Heimsuchungen, die an die Reiter der Apokalypse erinnerten.

Für den Mittelrheinraum und darüber hinaus ist gerade die Chronik des Limburger Notars und Stadtschreibers Tilemann Elhen von Wolfhagen eine lebendige Quelle der Katastrophenzeit. Als Fragment das 1335/36 ohne Einleitung einsetzt und 1398 ohne einen richtige Abschluss endet, ist diese um 1400 entstandene Chronik nicht nur in die spätere Limburger Chronistik des Johannes Gensbein (um 1500), Johannes Mechtel (um 1600) und Johann Ludwig Corden (um 1800) eingegangen, wegen der lebendigen Schilderung der Leiden, aber auch der Kleidergewohnheiten und der Lieder wurde die Chronik schon am Beginn des Interesses für historische Quellen in den Jahren 1617 und 1619, also genau vor 400 Jahren das erste Mal gedruckt und seither immer wieder neu aufgelegt. Dichter wie Clemens Brentano und Paul Heyse verarbeiteten Texte oder Inhalte der Chronik literarisch.

Das Diözesanmuseum Limburg nimmt das 400jährige Jubiläum zum Anlass in einer Ausstellung die große Bandbreite der Chronik zu beleuchten. Künstlerisch soll die Leidenszeit des Krisenjahrhunderts mit den ausdrucksstarken Bildern des Gekreuzigten (Crucifixi dolorosi) und der Pietà, die in dieser Zeit entstanden sind, veranschaulicht werden. Dabei stehen fast ausschließlich Werke aus dem Raum der Chronik im Mittelpunkt. Die Gegend zwischen den Reichsstädten Frankfurt, Wetzlar und Köln, sowie den Bischofsstädten Trier und Mainz soll auch in der weiteren historischen Präsentation mit der Chronik zum Sprechen gebracht werden.

 

Die Ausstellung läuft vom 28.3. bis zum 1.7. 2018